Minimalismus zum Entspannen: So wurde dieses alte Haus auf der Ostseeinsel Gotland zu einem schlichten Familien-Hideaway mit romantischer Note.
Gotland vor der Südostküste von Schweden ist die größte Insel der Ostsee – fast 800 Kilometer Küstenlinie, spektakuläre Steilküsten und die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende mittelalterliche Hansestadt Visby. Fårö – die Insel, die durch Ingmar Bergmans Film „Wie in einem Spiegel“ berühmt wurde – ist ganz nah, nur durch einen Meeresarm im nördlichen Teil getrennt. Es ist jedoch der Süden der Insel mit seinem besonderen Licht, der Künstler und Kreative seit je am meisten anzieht. Und auch Malin Glemme, die Gründerin der Teppich- und Tableware-Marken Layered und Pick a Poppy, hat dort einen Ort gefunden, an dem sie zur Ruhe kommt und dabei mit ihrer Familie sowohl lange Sommertage im Freien als auch gemütliche Abende vor dem knisternden Kaminfeuer genießen kann.
Eine Insel wird zur zweiten Heimat
Alles begann in einem Sommer vor fast zehn Jahren, als Malin Glemme mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern (heute vierzehn und zwölf Jahre alt; später kam ein drittes, heute siebenjähriges hinzu) auf der Insel landete. „Das Wetter war schrecklich und viel kälter, als wir erwartet hatten“, erinnert sie sich. „Ich hatte nur einen Pullover für jeden von uns eingepackt – also trugen wir eben zwei Wochen lang denselben Pullover.“ Die Familie hatte zuvor ihre Urlaube meist bei fast 40 Grad in Sizilien und Sardinien verbracht. Nichtsdestotrotz stellten sie am Ende des Sommers fest, dass sie Gotland vermissten, „trotz des unfreundlichen Wetters“. Und so entschloss man sich, ein Haus auf der Insel zu suchen, um immer wieder dorthin zurückkehren zu können.
Grauer Stein und Farben wie von früher
Alles auf Gotland, von den Häusern über die Mauern bis hin zu den mittelalterlichen Kirchen, ist aus hellem, porösem Kalkstein gebaut, der das Licht reflektiert. Die örtlichen Steinbrüche – bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren etwa 30 davon in Betrieb – haben eine monolithische, raue Architektur hervorgebracht, mit Türen und Fenstern, die als Kontrast in Farben wie Bordeaux, Ocker oder staubigem Blau gefärbt sind. In jenem Blau, das man etwa beim Bottarve Museigård, einem Museumshof an der Südspitze der Insel, sehen kann, wollte Malin Glemme irgendwann auch die Fensterrahmen ihres Hauses streichen. „Ich war schon immer von Steinhäusern fasziniert“, sagt sie. „Als wir dieses Haus fanden, war es aber in miserablem Zustand. Man musste wirklich viel Fantasie aufwenden, um sein Potenzial auszuschöpfen.“ Mit unebenen Böden, Anbauten aus verschiedenen Epochen und ohne stilistische Kohärenz war es weniger das Gebäude, das sie überzeugte, sondern das Land rundherum: 30 Hektar, die sanft zum Meer hin abfallen – „eine Seltenheit auf Gotland“.
Inspiration Natur
Bei der Restaurierung des ehemaligen Bauernhauses wurden alle späteren Anbauten entfernt, bis nur der ursprüngliche Rohbau aus den 1880er-Jahren und die Eingangstür übrig blieben. Das Innere wurde mit natürlichen Materialien und einer Palette lichter Töne neu gestaltet, die mit der harten, hellen und oft windgepeitschten Landschaft harmonieren. Auf dem kargen, trockenen Boden der Insel nimmt die Vegetation bei hohen Temperaturen honigfarbene Töne an, die von silbergrauen Sträuchern und Koniferen am Horizont unterbrochen werden. Während Glemmes Haus in Stockholm (wo auch ihr Unternehmen ansässig ist) voller Farben ist, suchte sie hier einen Rückzugsort, um Ruhe und Entspannung zu finden. Die Einrichtung ist deshalb von einem warmen Minimalismus geprägt: wenige, wesentliche Einrichtungsgegenstände – eine Mischung aus Vintage-Stücken, die sie auf der Insel gefunden hat, und ein paar Designobjekten. „Ich wollte nichts, was zu viel Aufmerksamkeit erregt oder von der Schönheit der Natur draußen ablenkt, die dank der großen Fenster immer in Kontakt mit dem Inneren ist. Und ich wollte, dass die Energie frei und ungehindert durch das Haus fließt.“
Viel Platz für das Leben im Freien
Als Kind verbrachte Glemme, die in Stockholm aufgewachsen ist, mit ihrem Bruder die Sommerferien in den Schären. „Unsere Eltern unternahmen nicht so viel mit uns, wie es heute üblich ist, und so verbrachten wir unsere Tage damit, Abenteuer in der freien Natur zu erfinden – wir taten so, als wären wir Cowboys, Bauern oder Profischwimmer. Ich finde es schön, dass meine Kinder die gleichen einfachen Vergnügungen erleben können, fernab von technischen Geräten.“ An sonnigen Tagen packt die Familie ein Picknick ein und fährt mit dem Fahrrad zum Strand. Nach ihrer Rückkehr nehmen sie einen Aperitif und essen im Freien zu Abend, begleitet vom Klang der Zikaden. „Die Stunde des Sonnenuntergangs ist mir am liebsten“, sagt Glemme. „Alle sind müde und glücklich, und man genießt die Ruhe des einbrechenden Abends.“
Malin Glemme, die aus der Modebranche kommt, hat seit der Gründung von Layered vor zehn Jahren Nachhaltigkeit zu einem Markenzeichen ihrer Arbeit gemacht. Auch ihr Ferienhaus spiegelt dieselbe Philosophie wider: Aufmerksamkeit für Materialien und den Wunsch, etwas aufzubauen, das zeitlos ist – und noch ein bisschen mehr: „Letzten Endes“, reflektiert sie, „spiegelt dieser Ort meine romantische Seite wider.“
Zuerst erschienen bei AD Italia.



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