So individuell und stylish wohnen Kreative in Deutschland und Österreich – #Thirtysomething 2025

Ein Jahr #thirtysomething: Wir zeigen Ihnen 10 Wohnportraits aus Deutschland und Österreich, die beweisen, wie individuell und durchdacht Wohnen sein kann
Wohnzimmer mit Essbereich der Altbauwohnung in Hamburg von Tomislav BLaic  Sven Behrens
Charlotte Schreiber

Thirtysomething 2025: Wir zeigen Ihnen das Zuhause von 10 kreativen Haushalten in Deutschland und Österreich.

In den vergangenen zwölf Monaten haben wir im Rahmen von #thirtysomething die Wohnungen und Häuser von Paaren und Familien in ganz Deutschland, aber auch Österreich besucht – darunter Hamburg, Berlin, München, Wien und Rügen. Und auch wenn die Einrichtungsstile unterschiedlicher kaum sein könnten, vereint alle Wohnräume ein besonderes Merkmal: die persönliche Handschrift ihrer Bewohner:innen. Denn egal ob denkmalgeschützter Altbau, Midcentury-Haus oder umgeplanter Plattenbau – jeder Raum erzählt von Lebensphasen, Beziehungen und dem Umgang mit der Gestaltung der eigenen vier Wände. Paare wie Sven Behrens und Tomislav Blaic oder Gisa Golpira und David Kosock schaffen Rückzugsorte jenseits des beruflichen Alltags, während andere – etwa Lilo Klinkenberg oder Verena Holthaus – ihre Wohnungen als Erweiterung ihres kreativen Schaffens begreifen. Sanierungen, Ortswechsel und neue Familienkonstellationen ziehen sich dabei wie ein roter Faden durch alle Interviews. Wir zeigen zehn sehr persönliche Wohnporträts von Thirtysomething aus 2025, die beweisen, wie vielfältig und individuell Wohnen heute ist.

10 Wohnungen von Kreativen in Deutschland und Österreich

Ob Hamburg, Berlin, München, Wien oder Rügen entdecken Sie zehn der schönsten Wohnungen Deutschland uns Österreichs.

Wie Sven Behrens und Tomislav Blaic in Hamburg denkmalgeschützte Elemente mit Klassikern und Designs von heute vereint

Manchmal passiert es eben doch, dass man genau jene Wohnung findet, der man sonst nur im Traum begegnet. Genau dann ist es meant to be, finden Creative Director Sven Behrens und Mode-Stylist Tomislav Blaic. Das Paar fand wie durch Zufall über Kontakte seine absolute Traumwohnung in Hamburg-Rotherbaum. Das 120 Quadratmeter große Apartment befindet sich unweit der Alster im jüdischen Viertel, umringt von imposanten Gebäuden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die Wohnung der beiden erzählt trotz umfangreicher Sanierung und Renovierung einige Geschichten der letzten rund 120 Jahre. Die Decken ziert aufwendigster Stuck, ein originaler Kachelofen im Wohnbereich lenkt die Blicke auf sich. Bei derartig vielen Details bedarf es im Interior ein wenig Zurückhaltung. Das kam Behrens und Blaic zugute, denn die beiden finden in ihrem Zuhause jene Zeitlosigkeit, die sie in ihrem Alltag in der Modebranche nicht finden. Wir haben das junge Paar besucht, und mit ihnen über das Zusammenziehen als Paar, Stilfindung und Hamburg gesprochen.

Thirtysomething Homestory Hamburg

Sven Behrens und Tomislav Blaic

Charlotte Schreiber
Esszimmer mit Kamin einer Altbauwohnung in Hamburg

Die Kunst im Wohnbereich stammt von Blaic und Behrens. Eine Schiebetür trennt die Küche vom Livingbereich.

Charlotte Schreiber
Küche einer Altbauwohnung in Hamburg von Tomislav BLaic  Sven Behrens

Die Küche bietet viel Stauraum, auch für die Bettwäsche. Stehleuchte: Westwing, Hocker: Zara Home.

Charlotte Schreiber
Auf der Ostseeinsel Rügen hat Judith Dada ein altes Gutshaus in ein farbenfrohes Familienzuhause verwandelt

Karriere, Hochzeit, ein Corgi – und dann? Zum perfekten Familienglück fehlten nur noch Kinder und das Eigenheim – zumindest wenn es nach den Lebens­stationen von Judith Dada und Erik Muttersbach geht. Für Letzteres reichte eine klassische Zeitungsanzeige: „Junges Paar sucht alleinstehendes Haus mit Garten, Renovierungsbedarf kein Pro­blem.“ Es folgten zahlreiche Anrufe und Tipps – mal vielversprechend, mal unnütz –, bis sich ein älteres Unternehmerpaar meldete, das sein Gutshaus auf Rügen verkaufen wollte. Und dann ging alles ganz schnell. Im Interview erzählt Judith Dada mehr über die Renovierung, ihre Liebe zum Landhausstil und das Leben auf Rügen. Sie erklärt unter anderem: „Zwar haben wir den Grundriss und die Fassade nicht verändert, im Inneren haben wir jedoch alles einmal angefasst: Die Bäder und Böden, die Küche, die Kamine, den Stuck, auch die Türen haben wir aufarbeiten lassen. Das war in der Tat ein intensiver, fordernder, aber letztlich auch äußerst kreativer Prozess.“

Portrait Judith Dada und Familie

Judith Dada und ihre Familie

Volker Conradus
Eingangsbereich mit maßgefertigten Schränken

Das Entree ist mit Maßeinbauten ausgestattet – und Corgi Plato.

Volker Conradus
Arbeitszimmer mit VintageSekretär

Vom Wohnzimmer aus blickt man ins angrenzende Arbeitszimmer mit einem Vintage-Schreibtisch von Pamono.

Volker Conradus
Die Berliner Wohnung von Floral Designerin Lilo Klinkenberg voller Vintage-Möbeln und Farbe

Steht man den großformatigen Installationen von Lilo Klinkenberg gegenüber, kann man nicht anders, als zu staunen. Mit ihren Arbeiten füllt die 33-jährige Gründerin von Studio Lilo ganze Räume, mal mit Pflanzen, mal mit Stoffen, gelben Bohnen oder Pak Choi. Der Reiz liegt für sie nicht in der Harmonie, sondern im Widerspruch – eine Prägung, die die Floral Designerin ihrer Heimatstadt Berlin zuschreibt und die sich durch alle Bereiche ihres Lebens zieht. Aufgewachsen in Kreuzberg, hat sie die Stadt – bis auf einen Schulaufenthalt in England – nie verlassen. Die Wohnungen und Straßennamen wechselten, das Viertel aber blieb dasselbe. Seit elf Jahren lebt sie nun in ihrem 105 Quadratmeter großen Apartment – in genau dem Haus, in dem sie auch aufwuchs. Ein Gespräch über die Dynamik Berlins und darüber, wie diese Energie auch in ihrer Arbeit und ihrem Zuhause zum Ausdruck kommt.

Lilo Klinkenberg

Lilo Klinkenberg

Volker Conradus
Küche Edelstahl Lilo Klinkenberg

Als sich die Wohngemeinschaft auflöste, ließ Klinkenberg zunächst eine neue Edelstahl-Küche einbauen.

Volker Conradus
Edelstahlstuhl Lilo Klinkenberg

Die Wand im Schlafzimmer strich Klinkenberg in der Farbe „New White“ von Farrow & Ball, der Edelstahlstuhl ist ein Entwurf von Frederik Fialin. Di Holzschnitzereien sind Vintage.

Volker Conradus
So wohnen Voo-Store-Gründer Yasin Müjdeci und die Modeexpertin Laura Linauskaite in Berlin

Auf der Suche nach einer Mietwohnung entdeckten Yasin Müjdeci und Laura Linauskaite ein einzigartiges Juwel: einen Dachaufbau im Westen Berlins, der in den frühen Neunzigerjahren gebaut wurde. Die Zimmeraufteilung ist ungewöhnlich, ebenso die raumgreifende, eingebaute Aluminiumstruktur mit offenem Einbauregal. Deren organische Form strukturiert das Erdgeschoss der Wohnung – und nimmt in Kauf, dass Wohnfläche verloren wird, die in einer Großstadt ja eigentlich das Nonplusultra ist. Typisch Postmoderne, möchte man da rufen, schließlich ist das die Schublade, in die man alles steckt, was in den Neunzigern entworfen wurde, kaum rechte Winkel hat und eher dem Motto form follows fiction als form follows function folgt. Aber ist es so einfach? Vor allem war es die Formsprache von Zaha Hadid, die den Architekten Stefan Sterf inspirierte. Hadid, die 2016 verstarb, hielt bekanntlich auch nicht viel von rechten Winkeln, verstand sich allerdings auch nicht direkt als Vertreterin postmoderner Architektur. Bei ihr arbeitete Sterf, bevor er sich selbstständig machte und das Dachgeschoss, sein erstes eigenes Projekt, für sich selbst baute. Irgendwann verkaufte er das Apartment weiter, mit inbegriffen ein fest installierter Tisch und die Chaiselounge, die der Architekt eigens für diese Räume entwarf.

Thirtysomething Berlin Voo Store Gründer und Modeexpertin

Voo-Store-Gründer Yasin Müjdeci und die Modeexpertin Laura Linauskaite

Daniel Farò
Aus dem kleinen Büro blickt man auf die herrschaftliche Fassade des gegenüberliegenden Hauses  dabei könnte man fast...

Aus dem kleinen Büro blickt man auf die herrschaftliche Fassade des gegenüberliegenden Hauses – dabei könnte man fast vergessen, dass es sich um eine belebte Berliner Wohngegend handelt.

Daniel Farò
Der VintageLounger aus Leder und Teak wurde in den Sechzigern von Sven Ellekaer für Coja entworfen der Tisch rechts ist...

Der Vintage-Lounger aus Leder und Teak wurde in den Sechzigern von Sven Ellekaer für Coja entworfen, der Tisch rechts ist vom Architekten.

Daniel Farò
So behutsam gestalteten David Kosock und Gisa Golpira ihre Altbauwohnung in Berlin

Wenn man das Zuhause eines Paares aus der Designbranche beschreibt, liegt es nahe, sich lediglich dem gestalterischen Konzept zu widmen. Dabei ist das eigene Zuhause nie nur die Summe von Möbeln und Objekten – es ist ein Spiegel seiner Bewohner:innen, lebt von ihren Geschichten, von Authentizität und Individualität. Als Gisa Golpira und David Kosock von Düsseldorf nach Berlin zogen, sehnten sie sich nach einem Neustart. Deshalb ließen die Schmuckdesignerin und der AD100-Designer und Vaust-Co-Gründer in ihrer 190 Quadratmeter großen Wohnung zuerst Raum. Sie genossen die Leere, um sich zu fragen, wie eine Wohnung aussehen könnte, die ihnen so viel Erholung bietet wie der Aufenthalt in einem ausgezeichneten Hotel – und die Platz für Golpiras Showroom bietet. Ohne Eile komponierten sie einen Ort, den die beiden im Grunde gar nicht mehr verlassen möchten. Wohnen, finden Kosock und Golpira, sei ohnehin kein passiver, sondern ein aktiver Zustand. Wir sprachen mit dem Paar über Praktikabilität und Bequemlichkeit und skulpturale Möbel – und über zwei kleine Steine, die mehr bedeuten als jedes Möbelstück.

Altbauwohnung Berlin Schöneberg

David Kosock und Gisa Golpira

Marzena Skubatz
„Ich habe das Interesse fürs Wohnen von meiner Großmutter aus Bochum geerbt. Ich fand immer toll in ihrem Haus zu sein...

„Ich habe das Interesse fürs Wohnen von meiner Großmutter aus Bochum geerbt. Ich fand immer toll, in ihrem Haus zu sein, aus dem auch das Palisander-Highboard in der Küche stammt“, erzählt Kosock. Das Bild daneben malte Angela Kosock.

Marzena Skubatz
„Unser Schlafzimmer ist sehr asketisch“ sagt Gisa Golpira. Sie genießt die Reduktion. Auf den selbst gemachten Hockern...

„Unser Schlafzimmer ist sehr asketisch“, sagt Gisa Golpira. Sie genießt die Reduktion. Auf den selbst gemachten Hockern im Schlafzimmer stehen Leuchten von Oscar Piccolo.

Marzena Skubatz
Diese Wohnung im Sechzigerjahre-Plattenbau wird zum stylishen Zuhause von Alexander Freudenberger und Hannes Heinrich

Wir befinden uns unweit des Perlacher Forsts in München in einem Wohngebiet mit einer Schar an Plattenbauten und Mehrfamilienhäusern in sanften Pastelltönen. Genau dort fanden der Creative Director Alexander Freudenberger und sein Partner, Künstler Hannes Heinrich, ihr neues Zuhause. In einem der Gebäude hoch oben im fünften Stock machte sich das Paar eine vermeintlich eintönige 71-Quadratmeter-Wohnung gänzlich zu eigen und ließ hundertprozentige Individualität einziehen. Es ist ein Paradebeispiel dafür, dass man auch aus einem quadratisch-praktischen Apartment eine lichte, stylishe, funktionale Wohnung kreieren kann, die vermutlich nichts mehr mit den Wohnungen der Nachbarschaft gemein hat. Zusammen mit dem Architekten Sebastian Kofink dachten sie den Grundriss völlig neu und ließen smarte, teilweise unsichtbare Einbaumöbel einziehen. Für #thirtysomething haben wir das Paar zum Interview in seiner Wohnung getroffen und mit ihm darüber gesprochen, wie man ein Apartment gänzlich auf sich zuschneidet.

Rechts Creative Director Alexander Freudenberger links Künstler Hannes Heinrich.

Hannes Heinrich, Alexander Freudenberger

Constantin Mirbach
Leuchte von Peill und Putzler auf VintagAcrylTisch.

Im Wohnbereich ist das Sofa „Sumo“ von Fatboy gegenüber von Dieter Rams Regal platziert. Der Beistelltisch stammt ebenfalls von der Schreinerei Holzlöwe. Leuchte von Peill+Putzler auf Vintage-Acryltisch

Constantin Mirbach
Um den VintageIkeaTisch von Niels Gammelgaard versammeln sich drei Freischwinger von Gastone Rinaldi und der „La Fonda...

Um den Vintage-Ikea-Tisch von Niels Gammelgaard versammeln sich drei Freischwinger von Gastone Rinaldi, die das Paar bei einer Kanzlei-Auflösung erstand, und der „La Fonda Armchair“ von Vitra.

Constantin Mirbach
Grundsanierung einer Altbauwohnung im Prenzlauer Berg: So wohnen Adele Helmers und Stephan Raczak

„Die Wohnung wird nie wirklich fertig sein, weil mir immer etwas einfällt, das ich noch mal ändern möchte“, lacht die gebürtige US-Amerikanerin. Das Paar ist das perfekte Duo in puncto Einrichtung und Renovierung. Raczak führt ein Immobilienunternehmen, das Objekte mit Potenzial renoviert, saniert und gestaltet. Die Interiordesignerin studierte an einer der führenden Designschulen in den USA und betreut Projekte in den Vereinigten Staaten sowie Berlin. Ihre Wohnung war ein wahrer Rohdiamant, den das Paar gemeinsam zu ihrem Eigenheim schliff. Im Interview erzählt Helmers mehr über die Renovierung und die behutsame Gestaltung ihrer Traumwohnung: „Ich wollte unbedingt den Flur minimieren. Das ist für mich ein toter Raum, den man nicht nutzen kann. Außerdem war mir natürliches Licht sehr, sehr wichtig. Ich wollte eine Sichtachse kreieren, sodass der Blick durch die ganze Wohnung schweift und das Tageslicht zirkulieren kann. Also haben wir Teile des Grundrisses verändert und zum Beispiel den Flur und das Bad verkleinert, Türen entfernt oder verlegt und in einen neuen Boden investiert. Zudem haben wir die Decken und den Stuck komplett restaurieren lassen. Das Ziel war es, die innewohnende Schönheit der Wohnung wiederherzustellen.“

Altbauwohnung in Berlin von Adele Helmers und Stephan Raczak.

Stephan Raczak, Adele Helmers

Jordann Wood
Wohnzimmer in der  Altbauwohnung von Adele Helmers

Das Wohnzimmer hat an jeder Wand Türen oder Fenster, daher war der Raum am schwersten einzurichten.

Jordann Wood / Kunst: Courtesy of Qing Chun Diao; Courtesy of Nico Brodersen
Esstimmer in der Altbauwohnung von Adele Helmers in Berlin

Acht „Peter“-Stühle von Niels Koefoed gruppieren sich um den Esstisch von Marlot Baus, beleuchtet von einem Kronleuchter aus Muranoglas.

Jordann Wood / Kunst: Elisabet Oscarsson/© VG Bild-Kunst, Bonn 2025
So vereint die Modefotografin Theresa Kaindl in ihrer Wiener Altbauwohnung Feng-Shui mit Farbe

Geplant, einmal als Modefotografin um die Welt zu reisen, hatte Theresa Kaindl eigentlich nicht. Aufgewachsen im überschaubaren Pongau im Salzburger Land, war es ausgerechnet eine Lehrerin, die ihr Talent frühzeitig erkannte und sie dazu bewegte, sich hinter die Kamera zu stellen. Ganz ohne eigene Kamera gewann die junge Österreicherin 2013 den ersten Platz eines Jugendfotowettbewerbs – und der Stein kam ins Rollen. Gepackt von großem Mut und Vertrauen in sich selbst erfüllte sich Theresa Kaindl ihren Kindheitstraum und zog mit gerade einmal 20 Jahren nach New York. Ein Jahr lang lebte sie im Big Apple, bis sie 2016 erst nach Salzburg, und dann nach Berlin zurückkehrte und für die Agentur LOOP als Fotografin um die Welt flog. Der Schritt in die Selbstständigkeit fiel ihr leicht, die Liste der namhaften Kunden wuchs und wuchs. Dann kam Corona und für Kaindl eine Zeit, in der sie ihr Jetset-Leben hinterfragte und zur Ruhe kam. Sie zog nach Wien, beschloss, das viele Reisen etwas zurückzuschrauben, und begann eine Ausbildung zur Shiatsu-Therapeutin – und fand damit ihre zweite Berufung. Über die Einrichtung ihrer Wiener Altbauwohnung erklärt Theresa Kaindl: „Ich liebe es, Vintage mit Neuem zu mixen. In Wien gibt es tolle Interior-Läden, die besondere Stücke führen, zum Beispiel Salotto Collective, wo ich meinen französischen Bronze-Engel gefunden habe oder meine Vintage-Tommaso-Barbi-Leuchte. Auch bin ich der Meinung, dass man mit bestimmten Designklassikern ein Setting sehr aufwerten kann. Das Gleiche gilt für Mode – ich finde, es ist auch eine Kunst, etwas Günstigeres ohne große Labels wie Gucci oder Prada dennoch hochwertig und stilvoll aussehen zu lassen.“

So individuell und stylish wohnen Kreative in Deutschland und Österreich  Thirtysomething 2025
Julius Hirtzberger
Rosa Flur

Den Flur ließ Kaindl rundum rosa streichen. Das Bild (re.) wartet noch auf seinen neuen Besitzer.

Julius Hirtzberger
Edelstahlküche mit Gelb

Die Edelstahlküche stellte Kaindl selbst zusammen und bestellte sie bei einem Gastro-Anbieter. Den Kühlschrank strich Kaindl in demselben Farbton wie die Küchenrückwand.

Julius Hirtzberger
Zwischen Flohmarkt- und Kleinanzeigen-Funden – Verena Holthaus' Münchner Altbauwohnung

„Es gibt Gute, es gibt Böse, es gibt Krefelder“. In einem schmalen schwarzen Bilderrahmen erspäht man das Zitat, wenn man den illustren Flur der Wohnung von Verena Holthaus betritt. Unschwer zu erraten, stammt die Creative Consultant und Unternehmerin ursprünglich aus NRW, seit rund neun Jahren wohnt sie in einem Altbau auf 88 Quadratmetern in der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Unter den Münchner:innen ist Holthaus für ihren Salon c/o in Schwabing unweit des Englischen Gartens bekannt. Salon c/o zelebriert die moderne Tischkultur. In ihrem stationären Store in der Werneckstraße 5 (und online) verkauft und verleiht sie Tischobjekte aus den verschiedensten Epochen. Darüber hinaus hostet sie regelmäßig Events, die nicht nur die Feeds auf Instagram und Camera Rolls prägen, sondern allen voran kreative Menschen an einen Tisch bringen. Auf die Frage wieso sie seit geraumer Zeit auch Events in ihrer Wohnung veranstaltet, erklärt Verena Holzhaus: „Das hatte ich eigentlich schon immer auf der Agenda. Ich merke selbst, wie spannend ich die Räumlichkeiten anderer finde. Wenn man sich in einem intimen Raum trifft, bleibt das Event ganz anders in Erinnerung. Eine Location braucht Wärme und Herz. Und all das hängt ja auch mit dem Thema Gastgebertum zusammen. Das kann man besser über private Räume vermitteln.“

Verena Holthaus in ihrer Altbauwohnung in München

Verena Holthaus

Constantin Mirbach
An der Wand hängt Verenas Lieblingsbild „Fleck“ von Andrej. Die Kommode von Ikea schmücken etwa eine Leuchte von Sigmar...

An der Wand hängt Verenas Lieblingsbild: „Fleck“ von Andrej Maxim Auch. Die Kommode von Ikea schmücken etwa eine Leuchte von Sigmar Willnauer oder ein Kandelaber von Josef Frank für Svenskt Tenn aus den Zwanzigern, Stuhl: Wassily Kadinsky

Constantin Mirbach
Esstisch mit Vorhang darüber in einem Altbau in München

Rein in die Manege: Im Esszimmer thront ein kunstvoll gedeckter Esstisch. Tischkultur ist eben Holthaus’ Steckenpferd.

Constantin Mirbach
Der Midcentury-Bungalow von Marie von Behrens-Felipe und ihrer kleinen Familie in Hamburg

Manche Worte tragen ein ganzes Lebensgefühl in sich – Heimweh ist so eines. Marie von Behrens-Felipe kennt es gut. Zwischen Hamburg und New York pendelnd, ­verlor die Influencerin, die mit nur zwölf Jahren ihren ersten Blog startete, ihr Herz in Brooklyn. Für ihren Partner, Roberto A. Felipe, zog sie ganz nach New York und ließ sich auf das Tempo und die Energie der Stadt ein. Während der Pandemie kam dann das Innehalten. Marie und Roberto nahmen sich eine Zweitwohnung in Hamburg – und Roberto, daheim in der Start-up-Welt zwischen Kentucky, Los Angeles und New York, begann, die Hansestadt auf seine Weise zu entdecken. „In Hamburg habe ich vor allem die kleinen Dinge zu schätzen gelernt: den Morgenlauf entlang der Alster, die klare Luft und die Nähe zur Natur.“

Mit der Geburt von Tochter Zoe, inzwischen zwei Jahre alt, stand fest: Felipe und von Behrens wollten für ihre junge Familie ein sicheres und geborgenes Umfeld schaffen. Was als Suche nach einem Wochenendhaus begann, endete mit einem spontanen Kauf – ein neues Eigenheim für die Familie. Eines Morgens entdeckte Marie online ein gerade inseriertes Architek­tenhaus im Midcentury-Stil und fuhr kurzerhand vorbei – ­zunächst nur für einen Blick von außen. Schon in ­diesem Moment wusste sie: „Das ist es!“, und schickte ihrem Partner ein Foto. „Auf unseren Reisen nach Los An­gel­es haben wir so viele wunderschöne Midcen­tury-Häuser gesehen – da wuchs in uns der Traum, selbst eines zu besitzen.“

Marie von Behrens und Roberto A. Felipe mit Töchterchen Zoe
Marie von Behrens und Roberto A. Felipe mit Töchterchen ZoeCharlotte Schreiber / Kunst: Courtesy of James Perkins
Maßgefertigte Einbauschränke auch in Schlafzimmer  und Bad . „Ich jage keine Trends mehr sondern suche zeitlose   ...
Maßgefertigte Einbauschränke auch in Schlafzimmer (o.) und Bad (u.). „Ich jage keine Trends mehr, sondern suche zeitlose
Dinge. Dieses Haus fühlt sich nach uns an. Jedes Stück hat eine besondere Bedeutung“, sagt Marie von Behrens.
Charlotte Schreiber
Bad Marie von Behrens

Vom Wohnzimmer bis ins Bad: Warme Midcentury-Töne schaffen ein harmonisches Gesamtbild.

Charlotte Schreiber