Zum Valentinstag und darüber hinaus: Die schönsten Interieurs in Rosa – und wie man den Farbton richtig einsetzt.
Rosa und Rot begegnen einem im Alltag aktuell ständig – zumindest was Supermarktregale betrifft. Alles, was Herzen und „I love you“-Schriftzüge trägt, ist bewusst on display, genauso wie die Berge an Rosen, die einem unmittelbar nach Betreten der Verkaufsfläche auffallend ins Auge fallen. Das überrascht in Anbetracht des bevorstehenden Valentinstags kaum, ist dieser Tag mittlerweile mehr kommerz- als emotionsgetrieben.
Nun mag man vom Valentinstag halten, was man will, überraschend ist jedoch, wie ein Farbton derzeit unabhängig des Feiertages seinen Weg in die Mode- und Designszene findet: Rosa. Mal romantisiert, mal märchenhaft verpönt, erfreuen sich zarte Rosatöne im Produkt- und Interiordesign die Tage großer Beliebtheit. Sie kleiden großflächig Wände und Decken und haben sich als ernst zu nehmende Mitbewerber im Bereich der Neutralfarben etabliert – als die spannendere Alternative zu Weiß, Grau und Beige.
Von „Shocking Pink“ bis „Millennial Pink“: Diese Nuancen liegen im Trend
Rosa als Neutralton, also? Das mag insbesondere in Hinblick auf die kulturelle Geschichte der Farbe überraschend klingen. Wurde Rosa, als abgeschwächtes Rot, ursprünglich mit Stärke, Männlichkeit und Krieg assoziiert, wechselte der Ton in der Mitte des 20. Jahrhunderts die Fronten und wurde zur ultimativen „Mädchenfarbe“. Zur damaligen Zeit besonders gefragt: „Shocking Pink“, ein extrem kräftiges, intensives Magenta, groß gemacht von Frauen wie Elsa Schiaparelli oder Marilyn Monroe. In den 2010er-Jahren wurde Rosa erneut zum Liebling der Generation Y, allerdings um einiges heller, gedämpfter und sanfter, bekannt unter dem Namen „Millennial Pink“.
Nun entdecken Mode und Interior das zarte Rosa rund zehn Jahre später erneut für sich und zeigen sein Potenzial. „Rosa kann, insofern es richtig gewählt und eingesetzt wird, ein neutraler Farbton sein, der in vielen Einrichtungskonzepten funktioniert“, sagt Scott Madduxx, Inhaber des gleichnamigen Londoner Interiordesignstudios. Das gilt jedoch nicht für jedes Rosa. Der Schlüssel liegt in der richtigen Nuance. „Der Rosaton sollte sich im ‚Blush‘-Spektrum bewegen – etwa wie ein provenzalischer Rosé –, damit er sich leicht mit Braun- und anderen Farbtönen kombinieren lässt“, bringt Maddux auf den Punkt. „Von klaren, bonbonartigen Pinktönen hingegen sollte man in erwachsenen Räumen lieber Abstand nehmen.“ Dem stimmt die Interiordesignerin Larissa Frye von Tracy Simmons Design zu: „Komplexe Rosatöne mit lehmigen oder braunen Untertönen schaffen einen Look, der raffiniert und selbstbewusst wirkt, anstatt übertrieben süß.“ Gleicher Meinung war übrigens schon die Interior-Ikone Nicky Haslam, der den rosabraunen Ton eines Pflasters einst als schmeichelhafteste Farbe überhaupt bezeichnete.
Rosa als Neutralfarbe 2.0 – so wird Rosa im Interieur eingesetzt
Fest steht also: Wenn es um Design geht, ist Rosa ungemein komplex. Die besten Beispiele für eine gelungene Gestaltung, lesen Sie hier.
Eine rosa Decke steckt voller Potenzial
Angefangen bei der Decke. Im Londoner Stadtteil Belgravia gestaltete das Interiordesignstudio Buchanan Studio ein Townhouse neu, wobei sie eine wunderbare Deckenleuchte aus Eisen und Messing für das Esszimmer fanden. Davon ausgehend entwickelten sie die Farbpalette: ein zartes Creme für die Wände und ein blasses Rosa für die Decke, das in Kombination eine harmonische Leinwand schafft und den Raum in ein angenehmes Licht taucht. Für eine zusätzliche Prise Glamour sorgen neben dem Lüster maßgefertigte Stühle mit einem auffällig roten Stoffbezug von Colefax & Fowler.
Rosa all over, vom Boden bis über die Wand
Scott Maduxx und Jo leGleud, Inhaber:innen von Maddux Creative, wiederum nutzten in einem Londoner Arts and Crafts-Haus den Effekt des Colour Drenching und tauchten das Wohnzimmer in ein zartes Rosa, perfekt abgestimmt auf den floralen Seidenteppich, den Cindy Leveson entwarf. Noch dazu betont die Wandfarbe die Kunstwerke im Raum, die vor weißen Wänden sehr hart hervorstechen würden. Damit kein rosafarbener Einheitsbrei entsteht, wählte Maddux Creative eine tiefere Nuance für den Stuck, das Sofa hingegen bekam einen Polsterbezug in Koralle.
Für eine historische Atmosphäre: Lachsfarbene Rosatöne
Die vorherigen Beispiele demonstrieren, wie helle Rosatöne in Räumen eine beruhigende, neutrale Wirkung entfalten können. Gleichzeitig besitzen sie die Qualität, die historische Atmosphäre von Räumen einzufangen und zu verstärken. Für diesen Ansatz ist einerseits ein brauner Unterton entscheidend, der dem lieblichen Ton ein erwachseneres Auftreten verleiht; andererseits geht es um die Kombination mit anderen Farben und Materialien. Für den Wohnraum eines viktorianischen Stadthauses setzte das Design-Duo Penrose Tilbury beispielsweise auf ein cremiges Rosa als Wandfarbe, aufgepeppt durch dunkelrote Einbauten und antike Elemente aus Messing und Glas. So entsteht eine einladende Atmosphäre, die vielmehr sophisticated als jugendlich wirkt.
Eine rosa Küche als Akzent
Rosa macht sich allerdings auch wunderbar als Farbtupfer, besonders dann, wenn die Farbe mit natürlichen Materialien kombiniert wird. Wie das geht, zeigen Maddux Creative in einer Londoner Küche, die das Duo maßfertigen ließ. Dabei blieben sämtliche Eichenschränke naturbelassen – bis auf eine Ecke, die mit einem erfrischenden „Jaipur Pink“ von Paint & Paper Library gestrichen wurde.
Elegant, soothing und luxuriös: rosafarbenes Bad-Design
Rosa verbindet sich auch gut und gerne mit anderen Farbtönen. Man muss lediglich wissen, welche. Das Duo von Maddux Creative macht es in diesem Londoner Badezimmer vor: Hier trifft zart-rosa Marmor auf ein intensives Olivgrün, Elemente aus Messing sorgen für zusätzliche Tiefe und Raffinesse – fast wie eine Schmuckschatulle!
Der Grown-up-Look: Puderrosa trifft Burgunder
Neben Grün – von Salbei bis Oliv – verträgt sich Rosa zudem außerordentlich gut mit dunklen Rottönen, wie ein intensives Burgunder. Wie gut, zeigt das Ankleidezimmer, das Bunchanan Studio für ein Londoner Townhouse gestaltete. In diesem kokonartigen Raum spielt Rosa ausnahmsweise eine Nebenrolle – wenn auch eine äußerst wichtige –, indem es als Farbtupfer auf Polsterkissen und Schrankbespannungen all das dunkle Rot visuell aufhellt.
Die rosa Tapete als Statement
Eine ebenso ausdrucksstarke Farbkombination wie Burgunder und Rosa bilden Aubergine und Rosa. Dabei darf es ruhig ein Stück weit dynamisch sein, nur nicht zu viel. In einem Esszimmer in einem Wohnhaus in San Francisco verband die Interiordesignerin Tracy Simmons Vintage-Charme mit Moderne: Ein auberginefarbener Waschtisch und ein farblich passendes Rollo in Samt schaffen ein nostalgisches Setting, das durch die verspielt rosafarbene „Fungi Forest“-Tapete von Cole & Son einen modernen Twist erhält.
Passend dazu: Das sind unsere Valentinstags-Favoriten – in Rosa bis Rot
Rosa bis Rot überzeugt nicht nur im Hinblick auf das Interior. Die Farbwelt liegt auch bei kleinteiligeren Accessoires voll im Trend. Natürlich mag der Valentinstag dabei eine Rolle spielen – doch sind wir ihm letztlich dankbar, dass er uns die zuweilen in Vergessenheit geratenen Nuancen wieder präsenter in den Sinn ruft. Falls Ihnen die Wand, der Polsterbezug oder die Tapete in Pink bis Rosa oder Rot ein wenig zu viel wird, dann denken Sie einfach im Kleinformat. Schließlich sind es doch oft die gesetzten Akzente, die den feinen Unterschied machen. Die Kissen „Lana“ aus der Nilufar Edition beispielsweise kommen nun in rosafarbenem Wollpelzstoff daher und machen sich sowohl auf dem Sofa, als auch im Schlafzimmer hervorragend. Loro Piana setzt währenddessen auf feinste Woll- und Kaschmirkombinationen, Leinen, Karoelemente sowie Paisleymuster – das in cremigen Tönen (durchaus ja mit sanftem Rosa verwandt!) in die Stoffe „Shadan“ und „Anahita“ eingewebt ist. Sie wollen ihre Liebsten mit einer kleinen Aufmerksamkeit überraschen? Dann sind Blumen natürlich der Klassiker schlechthin. Die langlebigste Variante aus Leder und Stoff liefert die Marke Dior, die zum Valentinstag eine Auswahl von Jonathan Anderson zeigt, viele inspiriert von einem Emblem aus dem 18. Jahrhundert, das „Revolution Flowers“ heißt und die Dior „Book Tote“, „Saddle“ und „Lady Dior“ ziert. Die Kaffee- und Teebecher „Tiffany Toile“ aus Porzellan wiederum lassen Momente der Ruhe verschenken. Düfte von bdk Parfums und Jewellery von Cartier? Sorgen dabei für unsichtbaren oder sichtbaren Schmuck – und den Gedanken an den Liebsten oder die Liebste, wenn man ihn trägt.


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