Dynamisches Loft in Rom: Gianluca Graziani und Michela Ekström gestalteten ein offenes, flexibles Interior, das perfekt zum Leben eines 25-Jährigen passt.
Wer sich ein Zuhause einrichtet, wünscht sich in der Regel, dass es möglichst langfristig Bestand haben sollte. Doch bei dieser 120 Quadratmeter großen Wohnung in Rom ist das anders: Sie entstand aus dem Leben und den Bedürfnissen eines 25-Jährigen, der sich weigert, in starren, vordefinierten und „erwachsenen“ Räumen zu leben. Für ihn ist das Zuhause ein lebendiger Organismus, ein Reisebegleiter, ein Ort, der schnellen Rhythmen gerecht werden muss, wechselnden Leidenschaften, Gästen, die kommen und gehen, mal spontanen Abenden und mal ruhigen Wochenenden. Als Filippo, der Auftraggeber, die Architekt:innen Gianluca Graziani und Michela Ekström traf, äußerte er einen einfachen und keineswegs selbstverständlichen Wunsch: „Ich möchte ein Zuhause, das mit mir wachsen kann.“ Aus dieser spontanen, radikalen Forderung entstand „F°LOFT – Living Twenty-Five“, ein Projekt, das eine neue Art des Wohnens schafft: zirkulär, offen, in ständiger Bewegung. Das Herzstück der Wohnung ist ein großer zentraler Raum, der zum Kompass und Knotenpunkt wird. Um ihn herum folgen die weiteren Räume einem ringförmigen Weg ohne Anfang und Ende. Dies ermöglicht es, sich ohne Unterbrechung zu bewegen und immer im Flow zu bleiben.
Authentizität über Perfektionismus – auch bei der Wahl des Interieurs
Was beim Betreten der Wohnung sofort auffällt, ist die Freiheit. Nichts soll perfekt wirken – vielmehr ist alles bewusst so gewählt, dass es authentisch erscheint. „Der Eigentümer wollte kein eingerichtetes Zuhause, sondern einen Ort, an dem die Objekte wie unterschiedliche Menschen in einem überfüllten Wohnzimmer zusammenleben können“, erklären die Architekt:innen. Deswegen dienen die Möbelstücke nicht dazu, ein sorgfältig kuratiertes „Moodboard“ zu komponieren, sondern erzählen individuelle Geschichten: ein Lehnstuhl mit geflochtener Lederlehne, ein Sitzsack, auf dem man auf dem Boden arbeiten kann, ein skulptural geformter Beistelltisch aus Beton, ein roter Stuhl, der den Raum plötzlich zum Leuchten bringt. Die schwarze Küche suggeriert Tiefe und kontrastiert mit dem hellen Holzboden und den neutralen Wänden, die den Hintergrund für ikonische Lampen und handwerkliche Details bilden. Nichts ist aufgezwungen, alles ist im Gleichgewicht – einem bewusst unvollkommenen, lebendigen, veränderlichen Gleichgewicht. Der Besitzer lädt gern Gäste ein und verwandelt sein Zuhause ständig: an einem Tag ist es Wohnzimmer, am nächsten Arbeitszimmer, an einem anderen Tag ein kreativer Rückzugsort. Eine entscheidende Rolle spielt dabei auch der Verzicht auf konventionelle Türen. „Es sind Durchgänge, keine Übergänge“, erklären die beiden Designer:innen. So verschwinden gefühlt die Grenzen zwischen den Räumen, und die Möglichkeiten vervielfältigen sich noch weiter.
Eine Wohnung, so wandelbar wie das Leben
Es ist zweifellos eine junge Wohnung – und zugleich eine zutiefst kultivierte. Denn in ihr spiegelt sich die doppelte Seele der Designer:innen: Grazianis mediterrane Vision, geprägt von Licht und Materialität, und Ekströms skandinavische Präzision, die konstruktive Details und Einfachheit als Ausdruck von Qualität in den Mittelpunkt stellt. Das Ergebnis ist ein warmes und zeitgemäßes Interieur, das bereit ist, sich im Laufe der Zeit zu verändern. „Mit einem so jungen Kunden zu arbeiten, bedeutet, Veränderung zu planen. Man weiß nicht, wie sein Leben in zehn Jahren aussehen wird, und genau deshalb muss man eine flexible Architektur schaffen, die ihn begleiten kann“, sagt Graziani. Wenn man durch das F°LOFT geht, hat man das Gefühl, in eine Geschichte mit offenem Ausgang einzutreten: Kapitel, die der Eigentümer weiterschreiben wird, indem er lebt, Gäste empfängt, wächst, Fehler macht, sich verändert. Sein Loft in Rom ähnelt ihm auf die bestmögliche Weise: Es ist nicht perfekt, aber authentisch. Nicht endgültig, sondern unterwegs.
Zuerst erschienen bei AD Italia.










