Lebensqualität im Theater des demokratischen Athen. Kult, Politik und Alte Komödie

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Details
Autor: Jan Jansen
Fach: Geschichte - Frühgeschichte, Antike
Veranstaltung: Lebensqualität in Antike und Moderne im Vergleich
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für Geschichtswissenschaften)
Jahr: 2000
Seiten: 23
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 251 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-29187-3
Textauszug (computergeneriert)
Lebensqualität im Theater des demokratischen
Athen. Kult, Politik und Alte Komödie
von Jan Jansen
9. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung: Lebensqualität im historischen Vergleich 03
II. Kult und Politik – Theaterfestlichkeiten der demokratischen Polis Athen 05
a) Dionysos – Fruchtbarkeit, Verwandlung, Wahnsinn 06
b) Die Theaterfestlichkeiten 09
c) Die Beteiligung der Bürgerschaft 13
III. „ ... wie dem Mensch sauwohl seyn kann“ – Die Alte Komödie 14
IV. Schlussbetrachtung: Lebensqualität im Theater des demokratischen Athen 19
Quellen- und Literaturverzeichnis 22
I. Einleitung: Lebensqualität im historischen Vergleich
Der Begriff der Lebensqualität ist schwer zu greifen. Die Brockhaus-Enzyklopädie definiert ihn aus sozialwissenschaftlicher Perspektive als einen „mehrdimensionalen Wohlfahrtsbegriff, der vornehmlich auf die individuelle Wohlfahrt zielt“ 1. Verschiedenste Lebensbereiche werden zur Qualifizierung und Quantifizierung einbezogen (genannt werden hier z.B. Arbeitsbedingungen, Gesundheit, Bildung, politische Beteiligung, Sozialbeziehungen, natürliche Umwelt). Lebensqualität besitzt eine objektive und eine subjektive Dimension; sie transportiert zudem kollektive Werte und gesellschaftspolitische Zielsetzungen. Beides gilt es insbesondere in historisch- vergleichender Perspektive im Blick zu behalten. Der erste Definitionsversuch eines Kommilitonen versuchte dem komparativen Anliegen des Seminars weiter Rechnung zu tragen: „Lebensqualität ist die tatsächlich mögliche Inanspruchnahme von sozio-geographischen Umfeldstrukturen durch den Menschen (als Individum wie auch als Kollektiv) in der jeweiligen Ausprägung der kreatürlichen und zivilisatorisch- kulturellen Bedürfnisse“. Als Beispiele für „sozio-geographische Umfeldstrukturen“ von Antike und Moderne wurden im Seminar jeweils urbane Gesellschaft und Politik, Freizeit- und Kultureinrichtungen, Sozialfürsorge, Umweltverschmutzung, Ess- und Trinkkultur sowie Architektur-, Wohnungs- und Städtebau einer genaueren Untersuchung unterzogen. Im Vordergrund stand die Bestimmung der Charakteristika der „kreatürlichen und zivilisatorischkulturellen Bedürfnisse“ und der Art ihrer Befriedigung im historischen Kontext; weiterhin die Frage, welchen gesellschaftlichen Gruppen die Teilhabe an der jeweiligen Ausprägung von Lebensqualität zugestanden wurde.
Die vorliegende Hausarbeit fokussiert vor diesem Hintergrund den Blick auf einen Teilbereich kollektiver Lebensqualität im „klassischen“ Athen des 5. Jahrhunderts vor Christus: Untersucht wird das zeitgenössische Theaterwesen. Inwiefern trug es zur Lebensqualität der Bevölkerung bei, welche kollektiven und individuellen Bedürfnisse wurden im Rahmen der Aufführungen bedient und befriedigt, wer partizipierte inwiefern ? Es wird deutlich werden, dass die Aufführung von Tragödien und Komödien für den athenischen Bürger des 5. Jahrhunderts v. Chr. eine gänzlich andere, ungleich tiefere Bedeutung innehatten, als für einen Theaterbesucher in heutiger Zeit. Die Theaterfestlichkeiten Athens waren praktizierte Götterverehrung, Identitätsstiftung nach innen, politische Repräsentation nach aussen, sie dienten der Bildung und Volkserziehung und boten doch gleichsam die Möglichkeit, karnevalistisch mal richtig „die Sau rauszulassen“. Diese Besonderheiten athenischer „Lebensqualität im Theater“ gilt es im folgenden herauszuarbeiten. Die Annäherung erfolgt in zwei Schritten. Der erste Teil der Arbeit widmet sich den strukturellen Gegebenheiten von Dramenaufführungen: Hier geht es um die Rahmenbedingungen von Theater. Der kultische und politische Bezug, das Procedere und die Partizipation der Menschen wird dargelegt – stets vor der Fragestellung, welche Funktionen die Theaterfestlichkeiten im Hinblick auf individuelle und kollektive Bedürfnisbefriedigung erfüllten. Der zweite Teil widmet sich stärker der Darbietung und den Inhalten: Skizziert wird die zeitgenössische Dramengattung „Alte Komödie“ am Beispiel ihres Hauptvertreters Aristophanes. Sie gilt als typisches Theater der demokratischen Polis, die mit den Umwälzungen des 4. Jahrhunderts v. Chr. verschwindet. Das religiöse, politische und soziale Bezugssystem, in welches die Dramenaufführungen im „klassischen“ Athen und ihr Beitrag zur Lebensqualität eingebettet waren, gewinnt durch die Spezifika der aristophanischen Komödie weiter an Schärfe.
Aus dem Arbeitsvorhaben ergibt sich die Literaturgrundlage. Als Quellen wurden die elf erhaltenen Komödien des Aristophanes in der Übersetzung von Ludwig Seeger genutzt2. Weite Teile insbesondere des ersten Abschnitts stützen sich auf theater- und literaturhistorische Sekundärliteratur, die das antike Theaterwesen Athens, die Alte Komödie und den Dichter in weiteren Zusamenhängen darstellen3. Die Breite der Thematik – das Theater wies Bezüge in alle Lebensbereiche der Polis auf – sowie die Auswertung des archäologischen Materials, die für die Darstellung des antiken Theaterwesens vonnöten ist, führte im Rahmen des Vorhabens zwangsläufig zu einer Einschränkung der eigenständigen Quellenauswertung. Über Aristophanes ist zudem abgesehen von den Informationen, die er selbst mit seinen Stücken gibt (den ersten vollständig erhaltenen Komödien überhaupt), sowie den Platzierungen im Dichterwettbewerb kaum etwas bekannt. Schließlich sollen die Fäden zusammengezogen werden: Welche Aussagen lassen sich aus dem umrissenen Theaterwesen des 5. Jahrhunderts über das athenische Verständnis von Lebensqualität gewinnen ? Welche individuellen und kollektiven Bedürfnisse werden im historischen Kontext der demokratischen Polis durch das Theaterwesen befriedigt ?
II. Kult und Politik – Theaterfestlichkeiten der demokratischen Polis Athen
[...]
1 Art. „Lebensqualität“, in: Brockhaus-Enzyklopädie, Bd. 13, Mannheim 199019, S.180-183.
2 Newiger, H.-J. (Hg.), Aristophanes, übers. v. L. Seeger, München 1968.
3 Hervorzuheben sind hier besonders: Blume, H.-D., Einführung in das antike Theaterwesen, Darmstadt 1978; Ehrenberg, V., Aristophanes und das Volk von Athen, Zürich / Stuttgart 1968; Kindermann, H., Das Theaterpublikum der Antike, Salzburg 1979; Newiger, H.-J., Drama und Theater, Stuttgart 1996; Pickard-Cambridge, A., The Dramatic Festivals of Athens, Oxford 1968²; Zimmermann, B., Die griechische Komödie, Düsseldorf / Zürich 1998.
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